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Bestimmungshilfe für unsere Arbeit in der Amphibienrettung

Hier steht die Bestimmungshilfe für unsere Arbeit in der Amphibienrettung zum Download bereit.

Diese Bestimmungshilfe richtet sich an alle, die in der Amphibienrettung der Kreisgruppe Fürth-Land tätig sind.
Sie soll dazu beitragen, die bei unserer Arbeit an den Amphibienübergängen überwiegend vorkommenden Arten bzw. Gattungen korrekt zu bestimmen.
Alle anderen Arten, die in Deutschland darüber hinaus vorkommen, werden zwar genannt, jedoch nicht tiefer beschrieben.
Damit wollen wir erreichen, dass sich unsere Amphibienretterinnen und Amphibienretter aufs Wesentliche konzentrieren können ohne sich mit zusätzlichem Wissen belasten zu müssen.

Weitere Bestimmungshilfen von unserem Landesverband:
Amphibien
Froschlurche
Schwanzlurche

Die Wechselkröte

Wer hat sie gesehen?

Lebensweise

Die Wechselkröte (Bufotes viridis) ist an den grünen Hautflecken, die sich scharf von ihrer beigen Grundfärbung abgrenzen, zu erkennen („Grüne Kröte“). Indem sie die Farbintensität verändert, kann sie sich hervorragend an den Untergrund anpassen und ist in Ruhestellung schwer auszumachen. Wie die Kreuzkröte ist sie eine Pionierbesiedlerin und an Trockenheit und Hitze angepasst. Als Lebensraum bevorzugt sie sonnenexponierte, trockenwarme Habitate mit grabfähigen Böden und spärlicher Vegetation. In Bayern ist die Wechselkröte zu einer Kulturfolgerin geworden, da ihre Primärhabitate wie Auen und Kiesbänke nicht mehr existieren. Besiedelt werden Abbaustellen wie Kies-, Sand-, und Tongruben und Steinbrüche. Bis in die 1970er-Jahre war sie auch in Franken heimisch (GAUCKLER 1976). Wechselkröten sind dämmerungs- und nachtaktiv und graben sich tagsüber entweder im Erdreich ein oder suchen unter Steinen, Müll oder in Geröllhaufen Unterschlupf.

Fortpflanzung wetterabhängig

Zum Laichen bevorzugt die Wechselkröte vegetationsarme, schnell durchwärmte Gewässer mit flach auslaufenden Ufern bis hin zu Regenpfützen und mit Wasser gefüllte Fahrspuren. Vor allem temporäre, feindarme Gewässer in Abbaustellen werden gerne genutzt. Die Fortpflanzung beginnt meist im April. Das lang gezogene, melodische Trillern der Männchen ertönt bei Dämmerungsbeginn vom Gewässerrand aus, manchmal aber auch aus dem Tagesversteck. Die Fortpflanzung vollzieht sich in mehreren Schüben, die sich, oft ausgelöst durch Regenfälle, mit Unterbrechungen von jeweils ca. 2-3 Wochen bis Ende Juli hinziehen. In Abhängigkeit von Wassertemperatur und Nahrungsangebot dauert die Metamorphose meist 8-10, mitunter aber sogar nur 4 Wochen.

Bestandsentwicklung

Die Kulturfolge bringt die Wechselkröten in große Not! So bieten Abbaustellen aufgrund der modernen Abbaumethoden oft nur wenige und zeitlich sehr begrenzte Habitate, die eine Besiedelung und den Aufbau einer Population kaum ermöglichen. Nach Abbauende werden die Flächen schnell durch aufkommende Vegetation entwertet oder werden anderen wirtschaftlichen Verwendungen zugeführt. Industriebrachen werden mehr und mehr bebaut oder versiegelt. Die Bestände sind in Bayern drastisch eingebrochen. Die Vorkommen im Großraum München haben von 1973 bis heute um ca. 75% abgenommen. Im Landkreis Fürth gab es 2014 noch einen bestätigten Fund einer Wechselkröte in Langenzenn an der Tongrube. In Bayern nördlich der Donau gilt die Wechselkröte bis auf Reliktvorkommen inzwischen als verschollen bzw. ausgestorben. Die DGHT hat die Wechselkröte zum „Lurch des Jahres 2022“ erklärt.

Wer meint, eine Wechselkröte im Landkreis Fürth zu sehen oder gesehen zu haben, den bitten wir um eine Meldung, zusammen mit Ort, Zeit und einem Foto an bnfueland@gmx.de.
Autoren: Sylvia Grille und Uwe Hammon

Quellennachweise:https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/amphibien/froschlurche/wechselkroete
Eberhard Andrä & Andreas Zahn (2019), Amphibien und Reptilien in Bayern, ISBN 978-3-8186-0379-3