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mobiles Umwelterlebniszentrum

Gerettete Landschaft bei Cadolzburg

09.05.2026

In der Reihe von Veranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen unserer Kreisgruppe lud die Ortsgruppe Cadolzburg zu einer Wanderung entlang der bis 2016 geplanten Ortsumfahrung ein. Start war wie bei einer damaligen Protestaktion vor 10 Jahren am „Blumenfeld“; d. h. am Wirtschaftsweg südlich des Kreisverkehrs. Viele der Teilnehmer:innen erinnerten sich an den Kampf gegen die geplante und schließlich verhinderte 4,5 Kilometer lange Ostumgehung Cadolzburg vom Kreisverkehr im Norden bis in die Nähe von Steinbach, die sehr viel an wertvoller Natur zerstört und zerschnitten hätte.
In einer sogenannten Projektwerkstatt, in der neben anderen Gruppen auch der BN beteiligt wurde, stellte das Staatliche Bauamt die Umgehung als alternativlos dar. Bald schon wurde angesichts der Datenlage klar, dass der Großteil des motorisierten Verkehrs hausgemacht ist und eine Umfahrung den betroffenen Anwohner:innen der Hauptstraße kaum Entlastung bringen würde. Den meisten Kritikern der Umgehung war klar, dass die Chancen gering waren, den Schaden an der Natur zu verhindern. Aufgeben wollten sie nicht.
An der schon im Frühjahr 2015 gegründeten Bürgerinitiative „Umgehung umgehen“, beteiligten sich auch viele BN-Mitglieder. Mit sachlichen Argumenten und plakativen Aktionen konnte man Viele überzeugen, so dass dem damaligen Bürgermeister Obst schließlich 2100 Unterschriften gegen das Vorhaben übergeben werden konnten. Und so kam es am 17. April 2016 zu einem Bürgerentscheid mit einer hohen Wahlbeteiligung von fast 70%, bei dem 69,61% der teilnehmenden Cadolzburger sehr klar gegen die Umfahrung stimmten.

Brücken, Dämme, Tunnel, zerschnittene Äcker

Am Gierersberg ging es um Ackerland, das zerschnitten worden wäre, aber auch um einen Naherholungsraum der Anwohner:innen. Im weiteren Verlauf der Wanderung erreichte die Gruppe die Bahn und die Stelle, an der ein Tunnel gebaut werden sollte. Die letzte Station war der Mittelweg, der durch ein Tal Richtung Hauptort führt. Hier sollte eine Brücke über das Tal führen und direkt am Ortsrand wären die Autos mit 100 km/h vorbei gebraust . Anhand eines Films konnte man sich diesen massiven Einschnitt in die Landschaft vorstellen. Anschließend sollte die Trasse durch den Wald beim Kesselberg Richtung Steinbach führen. Auch dieser Wald konnte gerettet werden.
Allerdings ist jetzt wieder ein Teil der damals geretteten Landschaft in Gefahr, weil der Landkreis auf einem Acker in Egersdorf ein Gymnasium bauen will. Hier gilt es neben vorbildlichen Lösungen für die Versickerung von Niederschlagswasser in der Landschaft auch den Wirtschaftsweg möglichst fußgänger- und radfreundlich auszubauen, um nicht doch noch eine Teilumfahrung zu schaffen. Der BN wünscht sich hier eine behutsamere Gestaltung auch im Interesse der hier Lernenden.
Abschluss der zweistündigen Tour war eine gemütliche Einkehr im Grünen Baum – an derselben Stelle, wo schon am 17.4.2016 die gerettete Landschaft gefeiert wurde.

Margareta Wittmann, Dieter Burock, Arno Pfeifenberger

 

Ortsdurchfahrt Cadolzburg: Tempo 30 vor dem Aus!

Das unrühmliche Ende einer unendlichen Geschichte?

06.05.2024
Wie berichtet, hat sich die BN OG Cadolzburg mit den Vereinen zum Erhalt eines Lebenswerten Cadolzburg und Zukunft Cadolzburg, dem Seniorenbeirat, VCD und ADFC und allen im Gemeinderat vertretenen Parteien nach dem Ende eines ersten gut zweijährigen Pilotversuchs im Januar 2021 für eine (Wieder-)Einführung von Tempo 30 auf der Staatsstraße durch den Ort eingesetzt. Nach langwieriger Abstimmung mit den Ministerien in München bewertete die AGFK (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen) das Ergebnis des Pilotprojekts in einer Pressemitteilung:

Zahlreiche Studien belegen bereits, dass sich Tempo 30 positiv auf die Lärm- und Emissionsminderung auswirkt und das Tötungsrisiko bei Kollisionen geringer ausfällt. Im Rahmen des Modellprojekts konnte festgestellt werden, dass sich durch Tempo 30 auch das subjektive Sicherheitsempfinden der Radfahrenden steigert. Ein Großteil der Befragten gab zudem an, dass sich das Kfz-Verhalten verbessert hat.

Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen werden wir – insbesondere auch mit Blick auf die subjektive Sicherheit des Radverkehrs – weiterhin verfolgen. Hierbei soll an die Beschlussfassung im Bundestag angeknüpft werden, denn mit dem Ziel „Vision Zero“ soll den Kommunen durch gesetzliche Änderungen die Anordnung von Tempo 30 auf einzelnen Straßen erleichtert werden, so der damalige Landrat und AGFK-Vorsitzende Matthias Dießl.

Die komplette Mitteilung und den ausführlichen Ergebnisbericht zu allen Projekten finden Sie hier.

Innenminister Hermann als Chef der obersten Straßenverkehrsbehörde hatte nach dem Abbau der Schilder eine Überprüfung zugesagt. Während dieser Phase setzte das Bündnis Tempo 30 auf Solidarität und Freiwilligkeit.

Auf Antrag der Grünen-Fraktion beschloss der Marktgemeinderat am 20.12.2021 zudem den Beitritt zur Initiative 
Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten,

einem Zusammenschluss von Kommunen, die vom Bund mehr Entscheidungsfreiheit bei der Einführung von Tempo 30 fordern. Damals waren es etwa 70 Kommunen, die dem Bündnis beigetreten waren; mittlerweile sind es 1068 (Stand 28.3.2024). http://lebenswerte-staedte.de/de/hintergruende.html

Die Petition

Eine vom Bündnis Tempo 30 an den Bayerischen Landtag gerichtete Petition für Tempo 30 fand die Unterstützung von mehr als 1600 Bürger*innen und führte schließlich dazu, dass ein erneuter Modellversuch gestartet werden konnte.
Der Ausschuss für Bauen, Wohnen und Verkehr des Bayerischen Landtags befasste sich erstmals am 29.3.2022 mit der Angelegenheit und fand sich mit mehreren Mitgliedern am 20.6.2022 zur Ortsbesichtigung in Cadolzburg ein.In seiner Sitzung vom 12.7.2022 folgte der Ausschuss einstimmig den Argumenten des Bündnisses für Tempo 30. Wieder und wieder wurde von nachgeordneten Behörden jedoch die Rechtmäßigkeit der Anordnung angezweifelt. So sei eine Gefahrenlage nicht gegeben, weil zu wenige Unfälle auf der Strecke dokumentiert wurden. Erst als der Ausschuss am 29.11.2022 seinen Beschluss bekräftigte und damit drohte, den Verfassungsausschuss anzurufen, setzte das Landratsamt Fürth als zuständige Straßenverkehrsbehörde die Vorgabe um. Dabei kam es nach mehrmonatiger Vorbereitungszeit zu weiteren Verzögerungen.

Ende Juni 2023 war es dann soweit

Die konkrete Ausgestaltung des Cadolzburger Modellversuchs sah so aus:
Der zunächst beim Ortstermin vorgesehene Zeitraum von vier Jahren wurde auf ein bis anderthalb Jahre verkürzt, weil ein längerer Zeitraum lt. Bayerischem Innen-ministerium nach der Rechtsprechung nicht möglich sei. Es schließe sich aber ein Auswertungszeitraum von mindestens drei Monaten an, mit Verlängerungsoption für Tempo 30 bis zu drei Jahren.
Mit dem Modellversuch verbunden war die Hoffnung auf eine dauerhafte Anordnung, die nach anderen gesetzlichen Grundlagen (z.B. städtebauliche Gründe) auch damals schon möglich gewesen wäre. Man hoffte aber auf einen Gesetzentwurf aus dem Bundesverkehrsministerium, der den Kommunen mehr Entscheidungsspielraum zugestanden hätte. Als dieser Entwurf in abgespeckter Form endlich kam, stimmte zwar der Bundestag zu, doch lehnte ihn eine Mehrheit aus zumeist, aber nicht nur unionsgeführten Ländern im Bundesrat ab.
Ungeachtet dessen kamen im Cadolzburger Fall aber handwerkliche Fehler hinzu.
Bis auf einen Termin im März 2023 wurde entgegen den Wünschen des Landtags das Bündnis Tempo 30 nicht in die Abläufe eingebunden, so dass das Verfahren intransparent blieb.
Zwar erfolgte wie zugesichert eine wissenschaftliche Begleitung durch die TH Nürnberg, die zur Gewinnung valider Daten auf einen Vergleich bei Messung/Verkehrsteilnehmerbefragung zwischen Tempo 50 und Tempo 30 bestand.
Allerdings hat man es versäumt, vor der Anordnung von Tempo 30 bei Tempo 50 zu messen und zu befragen, und man änderte, aus welchen Gründen auch immer, schlicht die Reihenfolge und misst/befragt nun erst im Herbst 2024 bei Tempo 50.
Zwangsläufig muss man dazu den Verkehrsversuch beenden.
Das Ende ist nun für den 1.7.2024 vorgesehen, genau ein Jahr nach dem Start. Von einer Verlängerung ist keine Rede mehr, ungeachtet dessen, was die Auswertung ergibt. 
Weil im Jahr 2025 nun auch die Ortsdurchfahrt saniert wird und dies 5 – 6 Jahre dauern wird, bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung von Tempo 30 in ferner Zukunft.

Kann das das Ergebnis gemeinsamen bürgerschaftlichen Engagements für einen lebenswerten Ort sein?

Dieter Burock, Ortsgruppe Cadolzburg